Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 175

Herzensbildung und Verstandesbildung.

01] Sage Ich: »Es ist dies zwar kein Evangelium; aber es ist als das, was es ist, eine Wahrheit, die mit der Zeit auch ihr Gutes haben wird, um die Menschen von manchem Aberglauben zu heilen. Denn in gar keiner Sphäre haben die Menschen einen so massenhaften Aberglauben als in der Lichtsphäre des gestirnten Himmels. Aber es ist jetzt noch nicht an der Zeit, den Menschen darüber volle Aufschlüsse zukommen zu lassen; denn nun handelt es sich vor allem darum, aus den gegenwärtigen Menschenlarven wirkliche und reelle Menschen zu bilden.
02] Das kann nur dadurch erzielt werden, daß der Mensch einmal sich selbst und danach aber auch Gott erkenne und Ihn liebe über alles aus allen seinen Kräften. Ist der Mensch einmal in solchem Grunde fest und fähig, den heiligen Geist aus Gott zu empfangen, so wird er dann auch für alle andern, bis jetzt noch unentdeckten Wahrheiten empfänglich werden und fähig, sie zu begreifen!
03] Würde man ihm aber nun damit alsogleich den Kopf anstopfen, so könnte er das gar nicht fassen und würde sich so viel des Kopfzerbrechens machen, daß er darüber wahnsinnig würde!
04] Darum ist das ein Hauptgrundsatz: Die Menschen müssen vor aller Wissenschaft erst wahre Menschen werden, ansonst ihnen was immer für eine Wissenschaft viel mehr schaden als irgend frommen kann. Denn alle Wissenschaft beschäftigt nur den Verstand, der im Gehirne seinen Sitz hat; aber das Herz als das Fundament des Lebens bleibt ungeschlacht, roh und wild, wie das eines Raubtieres, und übt mit Hilfe der Wissenschaft noch mehr Böses aus als ohne dieselbe; denn bei einem gottlosen Herzen ist die Wissenschaft eine wahre Leuchte zum Bösen aller Art und Gattung!
05] Darum, Meine Freunde und Brüder, schaffet den Blinden vorerst eine rechte Lebensleuchte ins Herz, und lasset durch solche Leuchte dann erst auch der Seele Verstand erleuchten, und es wird dann alle Wissenschaft dem Menschen zu einem wahren Segen werden!
06] Es ist wohl recht löblich, um vieles zu wissen, weil man dadurch gar manchem Menschen einen guten Rat schaffen kann; aber besser ist es, viel und wahrhaft lieben! Denn die Liebe erweckt und belebt; die Wissenschaft aber befriedigt nur und legt sich dann aufs Ruhebett!
07] Und so hilft die Wissenschaft jemandem wohl für diese Zeit ein wenig, schadet ihm aber für die Erweckung des Geistes überaus; geht sie aber mit der Weile aus dem Lichte des Geistes als eine sichere Beigabe hervor, so ist sie dann auch voll von aller Lebenswärme und belebt wie das Licht der Sonne, das eben nicht nur allein erleuchtet wie kein anderes Licht, sondern auch belebt, weil ihr Licht die Lebenswärme in sich birgt und solche, wo es hinfällt, auch mitteilt und die vorhandene noch mehr belebt und hervorzieht.
08] Glaubt es Mir, die zahllosen Wunder, die da in eben für euch unmeßbaren Räumen herumkreisen und bahnen, hat ein jeder Mensch in seinem Geiste ruhend verborgen; trachtet daher nur vor allem, daß euer Geist völlig erweckt werde, und ihr werdet das, was kein Auge je geschaut und kein Sinn je empfunden, in euch selbst in größter Klarheit allzeit schauen und durch alle anderen Sinne auch getreust empfinden können.
09] Die Gott in Mir, dem Menschensohn, wahrhaft erkennen und lieben, werden schon in diesem Leben Seligkeiten zum Genusse bekommen, von deren Herrlichkeit noch bis zur Stunde keines Menschen Sinn je etwas empfunden und gefühlt hat! Aber auf dem puren Wissenschaftswege wird wohl nie ein Mensch dahin gelangen! - Verstehst du, Kornelius, solches?«


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