Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 113

Die Zukunft der reinen Gotteslehre.

01] Sagt Helena, ganz durch und durch ergriffen von der Wahrheit dieser Meiner Belehrung: »O Herr, jedes Deiner heiligen Worte hat in meinem Herzen einen tausendfachen Widerhall gefunden, und wie ein Ton stimmte es in meiner Seele: Das ist die reinste und göttlichste Wahrheit!
02] Aber solch eine Lehre kann auch nur ein Gott den Menschen geben; denn dahin reicht kein menschlicher Sinn! Ja, nun weiß ich viel und weiß es genaust, was ich für die Zukunft werde zu tun haben!
03] Oh, wie gar so herrlich ist es, den Willen des alleinig wahren Gottes zu erfahren und mit allen Lebenskräften danach zu handeln; aber wie bitter handeln ist es, wo der menschliche Hochmut Gesetze gibt und darunter setzt: Das ist Gottes Wille!
04] Immer dachte ich mir's, daß ein wahrer Gott auch nur einen vollkommen wahren Willen haben kann, der mit sich ewig in keinem Widerspruche stehen kann wie die menschlichen Gesetze, von denen oft eins das andere aus dem Fundamente total aufhebt; hält man es, so fällt man in die Strafe zufolge eines früheren sanktionierten (staatlich bestätigtes Gesetz) Gesetzes, und hält man es nicht, so straft einen das neue Gesetz! Frage: Wer kann da Mensch sein und leben?!
05] Nehmen wir unsere alten Göttergesetze! Da hieß es aus dem Munde der schlauen Priester: 'So du opferst dem Pluto, so erzürnst du den Zeus, und opferst du dem Zeus, so erzürnst du den Pluto; aber so du opferst deren Priestern, die es allein wissen, den Zorn der Götter zu beschwichtigen, so tust du wohl!' Denn sie allein seien die effektreichen Vermittler zwischen den Göttern und den Menschen. Da haben die Priester dann alles Opfer an sich gezogen und ließen sich vom armen, blinden Volke, das von ihnen um nichts und wieder nichts ausgesogen ward, dazu noch eine göttliche Verehrung erweisen, und alles Volk mußte zittern vor ihrer Macht. Oh, das kann, das wird diese reinste Lehre wohl sicher ewig nimmer gestatten!«
06] Sage Ich: »Das kümmere dich nicht! Aber es ist am Ende mit allem, was von oben noch so rein kommt, ob Geistiges oder Materielles, ein Gleiches; wie es nur den Boden der Erde berührt, da wird es auch schon unrein und unlauter.
07] Siehe an einen Regentropfen! Kein Diamant könnte reiner sein als so ein Regentropfen; sowie er aber den Boden der Erde berührt, ist es mit seiner Reinheit schon gar!
08] Geh auf einen Berg, und du wirst dich über die Reinheit der Luft nicht genug verwundern können; siehe aber hinab ins Tal, und du wirst in der Reinheit zwischen oben und unten einen großen Unterschied finden!.
09] Wie rein fallen die Schneeflocken aus den Wolken! Siehe den früher so blendend weißen Schnee nach zwei Monden an, und du wirst ihn schon sehr bedeutend schmutzig finden!
10] Siehe an den Wind, wenn er von der Höhe in die Täler herabweht, wie sehr er gleich durch den lästigen Staub getrübt wird, und sogar die Sonne und der Mond und die Sterne verlieren viel von dem Glanze, wenn sie sich dem Horizonte nähern; ja, selbst der Lichtstrahl der Mittagssonne wird oft nur zu leicht und zu sehr durch die Dünste der Erde getrübt, so daß man am Ende die ganze Sonne trotz ihres allerhellsten Lichtes nicht mehr insoweit sehen kann, daß man mit einiger Sicherheit sagen könnte: Siehe, hier oder dort steht sie!
11] Und so geht es auch stets mit allen Geistesgaben aus den Himmeln; mögen sie in ihrem Entstehen noch so rein sein, so werden sie mit der Zeit durch die weltschmutzigen Interessen dennoch also getrübt wie alles, was Ich dir soeben gezeigt habe.
12] Und so wird es wohl auch dieser Meiner allerreinsten Lehre ergehen; da wird kein Häkchen unbekrittelt und unbenagt verbleiben!
13] Den Tempel, den Ich nun aufbaue, werden sie ebenso zerstören, wie in nicht gar zu ferner Zeit die Römer den Tempel zu Jerusalem zerstören werden, wo kein Stein auf dem andern bleiben wird! (mt.24,02; =mk.13,02; =lk.21,06; jl.ev01.163,06; jl.ev06.041,04; jl.ev06.173,07; jl.ev08.053,09; jl.ev10.180,11; jl.ev10.187,08; jl.ev10.188,05; jl.ev10.215,19)
14] Aber diesen Meinen Tempel werde Ich wieder erbauen; aber den steinernen zu Jerusalem nimmer! Aber um das alles kümmere du dich nicht: denn Ich weiß um alles, und warum es also geschehen muß!
15] Denn sieh, kein Mensch achtet das Licht am Tage und die Wärme im Sommer für etwas; wenn aber dann kommt die Nacht, dann wird das Licht teuer, und man lernt die Wärme erst im kalten Winter schätzen.
16] Und ebenalso geht es auch mit dem geistigen Lichte und mit der geistigen Wärme. Wer im Freien umherwandelt, der achtet der Freiheit kaum; wenn er aber gefesselt im Kerker schmachtet, oh, da weiß er erst, welch ein großes Gut die Freiheit ist!
17] Und siehe nun, du Meine allerliebste Helena, darum werden denn auch Trübungen alles Reinen zugelassen, auf daß der Mensch erst in größter Trübsal den Wert des reinen Lichtes kennenlernt!
18] Kommt dann in der großen Nacht das reine Licht wieder zum Vorschein, so wird bald alles, was da atmet und lebt, sich zum Lichte hinziehen, wie im Winter der Lieblosigkeit der Menschen sich bald alles um ein warmes Herz wird zu lagern beginnen, gleichwie die von der Winterkälte durchfrorenen Armen um das angemachte Feuer eines Kamins.
19] Das aber sage Ich nur dir und noch wenigen andern. Dies behalte aber ein jeder bei sich und trage es nicht weiter aus; denn in diesem besteht Meine Lehre nicht! Ich habe es dir, du lieblichste Helena, nur gesagt zu deiner eigenen Beruhigung; aber einen Dritten soll das wenig oder gut nichts angehen! Für alles das notwendige Äußere wird schon von Mir aus gesorgt, und es genügt für jeden Menschen, so er nur sorgt für die Reinigung des höchst eigenen Herzens; ist das in der Ordnung, so wird dann schon auch alles Äußere wie von selbst in die beste Ordnung kommen. - Hast du, Meine Helena, nun auch dieses alles ganz wohl und ordentlich verstanden?«
20] Sagt Helena: »O ja, Herr! Es ist leider eben nicht sehr erheiternd, solches im voraus zu erfahren; aber es hat dennoch alles wieder seinen guten und höchst weisen Grund, und Du sorgst sicher stets nur für das geistige Beste der Menschen, und es muß darum schon also kommen, wie Du, o Herr, in Deiner unendlich gnädigen Herablassung es mir nun geoffenbart hast! Dein Wille geschehe in aller Zeit wie auch in aller Ewigkeit!«
21] Nach diesen Worten kam die Helena in einen förmlichen Liebesschlummer und behielt Meine Hand fest an ihre Brust gedrückt, was Meine Jarah fast ein wenig zu schmerzen begann, weil Ich während der Unterredung mit der Helena zu ihr nichts gesagt hatte; aber der Schmerz legte sich gleich wieder, als Ich sie freundlich ansah.


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 3  |   Werke Lorbers