Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 226


Großer Segen der regelmäßigen inneren Selbstprüfung. Fluch des schwarz-magischen Spiritismus. Jesus dämpft kecke Fragen des Judas.

01] Das Gesagte aber lautete: »Ihr habt nun eine neue Art und Weise gesehen, wie der Mensch von der Materie ins stets reiner und reiner Geistige übergehen, und wie er auf diesem Wege ein Herr über sich selbst und dadurch am Ende auch über die ganze äußere Weltnatur werden kann. Darum pfleget von Zeit zu Zeit diesen Weg in Meinem Namen, und ihr werdet zu einer großen Macht über eure Leidenschaften und daraus über die ganze Naturwelt und jenseits über alle Kreatur gelangen.
02] Ihr habt die argen Erscheinungen gesehen, die der Satan euch beschert hat. Sie haben euch in Furcht und Schrecken versetzt; aber ihr habt euch, auf Mein Wort vertrauend, ermannt und habt euch wieder in die Ruhe begeben und seid in solcher Ruhe volle Meister aller der bösen Vorkommnisse geworden.
03] Glaubet aber ja nicht, daß ihr nun schon dem Satan seinen bösen Mut völlig abgekauft habt! Sooft ihr wieder solche Übung mit euch vornehmen werdet, da werdet ihr auch von ihm beunruhigt werden, solange ihr im Geiste nicht völlig neu geboren werdet.
04] Seid ihr aber einmal wiedergeboren aus dem Geiste, dann hat der Satan alle Macht über euch für ewig verloren, und ihr werdet seine Richter sein wie auch aller jener, die er an sich gerissen hat, und die ihr ihm wieder entreißen werdet für ewig!«
05] Fragt Petrus: »Wie wird man denn wiedergeboren? Muß am Ende Seele und Geist wieder in eines neuen Weibes Leib und aus demselben wieder neu geboren werden? Oder wie ist das zu verstehen?«
06] Sage Ich: »Das kannst du nun noch lange nicht völlig fassen. Wenn Ich aber einmal werde aufgefahren sein dahin, von wo Ich gekommen bin, und Mein Geist deinen Geist frei machen wird, dann wirst daß des Geistes Wiedergeburt schon fassen und in aller Tiefe und Fülle begreifen. Aber jetzt wäre dir solches noch nicht möglich und keinem aus euch. Aber durch die Befolgung Meiner Lehre und durch solche Lebensübungen wirst daß am Ende aus und in dir selbst zu solchem Lichte gelangen.
07] Das begreift man durch keine Lehre und durch keinen Unterricht von außen her, sondern es muß in sich selbst gewonnen werden auf dem Wege, der euch nun für alle Zeiten der Zeiten von Mir gezeigt wird.«
08] Sagt Judas: »Herr, ich habe gewaltige Zauberer und Geisterbeschwörer und Geisterbanner gesehen; die haben geredet mit den Seelen der Verstorbenen, und diese sprachen ordentlich und gaben verborgene Dinge kund. Wie sind denn diese ins Geisterreich gedrungen? Das wird doch auch eine Art geistiger Wiedergeburt sein!?«
09] Sage Ich: »O ja, aber nicht für den Himmel, welcher ist Gottes Thron, sondern für die Hölle, allwo der Satan und seine Engel hausen!«
10] Sagt Judas: »Wenn so, da ist der Satan dann ja auch ein Herr mit vieler, wennschon böser Macht ausgerüstet! Ich meine aber, es wäre denn, so es möglich, doch besser, einen Satan zu vernichten, als tausendmal Tausende durch ihn vernichten zu lassen! Wozu muß in einer göttlichen Ordnung auch ein Satan sein?«
11] Sage Ich: »Dazu, daß er jüngst auch dich fangen wird, weil du dich seiner also annimmst! Du hast noch lange hin, dich nur höchst schwachweg zu erkennen, geschweige die große Ordnung Gottes, die aus sehr weisen Gründen auf der Erde neben dem Tage auch eine Nacht hervorgerufen hat. Begreifst du aus dem Grunde des Grundes die irdische Nacht der Erde, und begreifst du den ewigen Tag jeder Sonne, deren jede auch eine Erde ist gleich der, die dich trägt und ernährt? - Begreifst du solches aber nicht, so frage Ich dich, wie du hier eine Frage stellen kannst, die sich nicht geziemt für einen Menschen vor seinem Herrn, Gott und Schöpfer! Möchtest du nicht auch fragen, warum ein Stein hart und warum das Wasser gar so weich ist, oder warum dir das Feuer einen Schmerz macht und das kühle Wasser keinen?
12] Ich sage dir aber: So du nichts verstehst, so lerne zuvor etwas, und sei dabei stille und eines aufmerksamen Geistes; und verstehst du was aus dem Grunde, dann erst magst daß reden und deinen Brüdern verfängliche Fragen vorlegen!
13] Aber sieh, es ist mit dir wie mit aller Dummheit der Menschen: sie schämen sich heimlich wohl derselben, aber sie wollen diese bemänteln durch allerlei weise schimmernden Fragenprunk, bedenken aber nicht, daß sie eigentlich dadurch erst so recht ihre Dummheit auf den Markt tragen! Laß dir darum diese Meine sanften Worte zu einer Witzigung sein, sonst dürftest daß einmal so recht tüchtig anrennen, und Ich werde dich so bald nicht aus dem Kote heben!«
14] Diese Worte haben dem Judas seinen Fragemut bedeutend abgekühlt, und er machte darauf auch bedeutende Blicke auf den Thomas hin; aber dieser tat weise, als ob er von dieser Zurechtweisung nichts vernommen hätte, und desgleichen taten auch alle andern Jünger, und Judas war dadurch beruhigt und zog sich weislich zurück.
15] Ich aber sagte zum Baram: »Nun, Bruder, magst daß das Mahl fein anrichten lassen, aber diesmal in den Zimmern!« Baram begibt sich schnell in die Küche und läßt alles schnell herrichten; wir folgen ihm, und in einer Stunde ist das Mahl ganz gemächlich eingenommen.


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