Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 201


Jesus begründet Zulassungen von Übeln. Wahres und falsches Heldentum.

01] Sage Ich: »Freunde, Ich wußte wohl darum, daß es in aller Kürze also kommen werde, auf daß der Satan sein Werk voll mache; aber die zu den Heiden geflohen sind, hätten auch hier in Galiläa ihre Unterkunft gefunden, und die Meinem Namen geflucht haben, um ihre irdische Habe nicht zu verlieren, hätten besser getan, sich von aller ihrer Welt loszumachen, als sich unter dem Fluche Meines Namens ihrer Habe zu versichern, an der der ewige Tod haftet. Denn jeder Mensch muß einmal denn doch alles verlassen.
02] Wie schwer wird es dem sein, der viel hat, sich einst davon zu trennen, und wie leicht wird sich der trennen von der Welt, der aus ihrem giftigen Schoße keine Güter besaß und zudem noch allenthalben um Meines Namens willen Verfolgung erlitt! Der verachtet die Welt, und es wird ihm um sie sicher nicht leid sein, wenn er mit klarster Sehe ins Himmelreich diese finstere Pestilenzwelt verlassen wird.
03] Siehe, wie das Gold sich im Feuer bewährt und erst darin zu seinem hohen Werte gelangt, also muß es auch der Fall sein bei euch allen, die ihr wahrhaft Meine Jünger und Nachfolger sein wollet; denn Mein Reich, für das wir alle nun arbeiten, ist ja nicht von dieser Welt (Johannes.18,36), sondern von jener großen, die auf dieses irdische, materielle, kurze Probeleben als ewig unvergänglich folgt!
04] Und deshalb gebe Ich euch für diese Welt auch keinen Frieden, sondern das Schwert (vgl. Matthäus.10,34); denn durch den Kampf mit der Welt und mit allem, was sie euch bietet, müßt ihr euch des ewigen Lebens Freiheit erringen!
05] Denn Mein Reich leidet Gewalt, und die es nicht mit Gewalt an sich reißen, die werden es nicht einnehmen. (vgl. Matthäus.11,12)
06] Es ist freilich recht leicht, in einem eingefriedeten Orte und für sein irdisch Leben bestens versorgt, Mir einen Jünger abzugeben, die Lämmer Tugend zu lehren und sie mit reinem Wasser zu tränken; wahrlich, dazu gehört nicht viel! Aber ein ganz anderes ist es, Löwen, Tiger und Panther zu zähmen und sie zu nützlichen Tieren umzugestalten! Dazu aber gehört auch mehr Klugheit, Mut, Kraft und Ausharrung als zur Zähmung der Lämmer!
07] Daher müßt ihr diese Erscheinung in Sichar auch also betrachten und nehmen, wie sie ist, und müßt mit ihr einen natürlichen Kampf eingehen, bei dem Ich euch schon unterstützen werde; aber so ihr alsbald über die Blindheit und Bosheit der Menschen bis über die Ohren in Ärger und Zorn geratet und über solche Frevler nichts als ein verzehrendes Feuer vom Himmel rufet, dann kann es euch unmöglich anders ergehen, als wie es euch ergangen ist!
08] Auch können und dürfen euch Meine Engel in solchen Fällen nicht dienstlich sein, weil solch ein Dienst schnurgerade gegen Meine ewige Ordnung wäre.
09] Wollt ihr aber siegende Kämpfer für Mein Reich sein, so machet aus der reinen Wahrheit ein scharfes Schwert (vgl. Jesaja.49,02; Hebräer.04,12); aber dasselbe sei aus der reinsten, uneigennützigsten Liebe angefertigt! Mit solchem Schwerte kämpfet dann mutig und habt keine Furcht vor denen, die im äußersten Falle wohl euren Leib töten, weiter aber dann nichts mehr tun können! (vgl. Matthäus.10,28; Lukas.12,04)
10] So ihr aber schon eine Furcht habt, so fürchtet Den, der ein wahrer Herr über Leben und Tod ist und die Seele des Menschen verwerfen oder annehmen kann. (vgl. Lukas.12,05)
11] Wer immer im rechten Kampfe für Mich sein irdisch Leben verliert, der wird es wiederbekommen in Meinem Reiche im Vollmaße (vgl. Matthäus.10,39; Lukas.09,24); wer aber sein irdisch Leben zu erhalten strebt im Kampfe für Mich, der ist ein Feiger, und des ewigen Lebens Siegerkrone wird nicht sein Anteil sein! Welches Verdienst hat er, so er mit Mücken kämpft und Fliegen totschlägt? Ich sage euch: So ein Held ist nicht des Anpissens wert!
12] Ah, ganz was anderes ist es, wohlgepanzert und mit einem scharfen Schwert in der Hand in eine Herde von Löwen und Tigern sich begeben! So er die Herde erlegt hat und als Sieger heimkehrt, so werden ihm Ehrenbogen errichtet, und ein großer Lohn für seine Heldentat wird ihm nicht vorenthalten werden!
13] Gehet sonach wieder heim und streitet nach der Weise, wie Ich es euch nun gezeigt habe, und es wird euch am rechten Siege nicht fehlen!
14] Wie arg der Satan diese Erde zurichtet, weiß Ich wohl schier am besten, und Ich hätte Macht genug, ihn vollends zu vernichten; aber Meine große Liebe und Geduld läßt solches niemals zu.
15] Denn wer seinen Feind nur dadurch zu besiegen wähnt, daß er ihn vernichtet, der ist ein feiger Kämpfer! Denn nicht der Mut, sondern seine große Furcht nur hat sich durch die Tötung den gefürchteten Feind vom Halse geschafft.
16] Wer ein rechter Held sein will, der darf den Feind nicht verderben, sondern er muß sich alle Mühe nehmen, den Feind mit aller Klugheit, Geduld, Liebe und Weisheit im Herzen zu gewinnen; dann erst kann er sich rühmen, einen wahren Sieg über seinen Feind erkämpft zu haben, und der erkämpfte Feind wird selbst sein größter Lohn sein.«


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 1   |   Werke Lorbers