Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 198


Bedeutung der Ehrlichkeit und Gerechtigkeit. Üble Folgen von Versprechensbruch. Gleichnis vom Schatz im Acker.

01] (Der Herr:) »Versprechet nie jemandem etwas, das ihr dann nicht halten könntet oder - noch schlechter - aus was immer für Gründen nicht halten wollet, so ihr wahrhaft Gotteskinder werden wollt; wahrlich, sage Ich euch, das Ärgste ist ein Versprechen und eine Verheißung, die nicht gehalten wird!
02] Denn wer da zürnt, der sündigt in sich und schadet sich zunächst selbst; wer Unzucht treibt, der vergräbt seine Seele im Gerichte des Fleisches und schadet sich wieder selbst; aber das Übel der Übel ist die Lüge!
03] Hast du jemandem etwas zu tun versprochen, und es kommen bald Umstände, die dir das Versprechen zu halten unmöglich machen, so gehe alsogleich ohne Säumnis zu dem hin, dem du etwas versprochen hast, und zeige ihm mit dem besten Herzen an, was dir begegnet ist, auf daß der Erwartende in dem Falle andere Wege und Mittel ergreifen kann zur rechten Zeit, um sich aus irgendeiner Not zu befreien!
04] Wehe aber jedem, der Versprechungen macht und sie nicht hält, auch so er sie halten könnte; denn er stiftet dadurch ein umfassendes Übel; denn der Erwartende kann dann seiner Pflicht nicht nachkommen, und die auf ihn hoffen, bekommen auch gebundene Hände, und so kann solch eine treulose Verheißung Tausenden die größte Verlegenheit und Trübsal bereiten, und also ist eine nicht gehaltene Verheißung das der Nächstenliebe Allerentgegengesetzteste und somit der Übel größtes!
05] Es ist besser, ein hartes Herz haben, weil ein solches niemanden mit irgendeiner Hoffnung trügt, und weiß man, daß man vom Hartherzigen nichts zu erwarten hat, so ergreift man andere Mittel zur Aufrechthaltung jeglicher Ordnung. Wenn aber jemand etwas erwartet, das ihm verheißen ward, so unterläßt er es, andere Wege und Mittel zu gebrauchen, und wenn dann die Zeit kommt, wo der Erwartende seine Geschäfte in die Ordnung zu bringen bestimmt hatte, und der Versprecher läßt ihn dann im Stiche und sagt ihm nicht zuvor, daß er sein Versprechen aus einem Grunde, der natürlich vollwahr sein muß, nicht werde halten können, da ist solch ein Verheißer gleich dem Satan, der den Menschen auch von Anbeginn durch seine Propheten die glänzendsten Verheißungen gemacht, aber nie eine erfüllt hat und hat dadurch Zahllose ins größte Elend gestürzt!
06] Darum hütet euch vor allem vor derartigen Verheißungen und Versprechungen, die ihr nicht halten könntet und, was noch schlechter wäre, aus was immer für Gründen nicht halten wolltet; denn das ist des Obersten der Teufel Sinn.«

  • Matthäus.13,43] a Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat, der höre! (a Daniel.12,03;  ⇒ jl.ev01.198,07*)

    07] Seid liebevoll und gerecht in allen Dingen: a denn die Gerechten werden einst in ihres Vaters Reiche leuchten wie die Sonne am hellsten Mittage! (a Matthäus.14,43*; Daniel.12,03)

    Matthäus.13,44] Gleichnis vom Schatz im Acker

    08b] Denn noch ein paar Gleichnisse will Ich euch geben vom Himmelreiche:

  • Matthäus.13,44] Das Himmelreich ist gleich einem verborgenen Schatz im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und er ging hin voll Freude, und a verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. (a Matthäus.19,29Lukas.14,33Philipper.03,07;  ⇒ jl.ev01.198,09-10*;  gm.pred.052; Vaterbriefe.449)

    09] a Das Himmelreich ist noch gleich einem verborgenen Schatz in einem Acker, welchen Schatz ein Mensch fand, und da der Schatz groß und schwer war und er ihn nicht nach Hause tragen konnte, da er noch weit nach Hause hatte, so verscharrte er ihn im nächsten Acker zur Nachtzeit, ging darauf voll Freuden nach Hause, b verkaufte daheim alles und kaufte den Acker um jeden Preis, denn der Schatz im Acker war viele tausend Male mehr wert, als er für den Acker gab, und er konnte nun, da der Acker sein war, den Schatz sicher aus dem Acker holen, und es konnte ihm niemand mehr dessen Besitz streitig machen. Er konnte nun seinen Schatz ruhig in sein neues Haus schaffen, das er mit dem Acker erkauft hatte, und brauchte nun nicht mehr im Schweiße seines Angesichtes sich seinen Unterhalt zu erarbeiten; denn er hatte nun wohl im größten Überflusse zu leben von seinem Schatze. - Verstehet ihr dieses Gleichnis?« (a Matthäus.13,44*; b Matthäus.19,29Lukas.14,33Philipper.03,07;  ⇒ jl.ev01.198,09-10*;  gm.pred.052; Vaterbriefe.449)
    10] Sagen die Jünger: »Ja Herr, dies Gleichnis ist klar; denn die Schatzfinder sind die, die Dein Wort vernehmen, und der Acker ist der Menschen noch weltliches Herz, den sie durch die Befolgung Deines Wortes sich erst geistig zu eigen kaufen müssen, auf daß Dein Wort im Herzen zu ihrem vollen Eigentum werde und sie damit dann alles Gute für sich und ihre Brüder schaffen können!«
    11a] Sage Ich: »Ihr habt das Gleichnis wohl begriffen; denn also steht es mit dem wahren Himmelreiche. - Aber höret nun ein anderes Bild!«


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