Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 1, Kapitel 80


Schutz vor Geistereinfluss (Besessenheit, Spuk) durch Leben nach Jesu Lehre. Bedenken bezüglich zu großer Nachsicht und Milde.

01] Hier macht der Oberste große Augen, wie auch viele andere hier anwesende Gäste, und sagt: »Ja, wenn so, da ist das irdische Leben eine überaus gefahrvolle Sache; wer kann da bestehen?«
02] Sage Ich: »Ein jeder, der nach Meiner Lehre lebt! Wer aber lebt nach seinem eigenen, zumeist von der Eigenliebe und vom Hochmute gesättigten Eigendünkel und a kann dem nicht von ganzem Herzen vergeben und ihn segnen zehnfach mehr, der ihn durch irgend etwas beleidigt hat, der soll aber dann auch früher oder später die unausbleiblichen Folgen der Feindschaft verkosten, gegen die er von Mir durchaus keinen Schutz zu erwarten hat, außer er hat seine Schuld an dem Feinde bis auf den letzten Heller bezahlt! Darum lebet mit jedermann im Frieden und in Einigkeit! Es ist euch besser, ein Unrecht zu erdulden als jemandem auch nur ein Scheinunrecht zuzufügen. Dadurch werdet ihr euch keine Rächer ziehen, und die Geister, die sonst eure Feinde geworden wären, werden dann eure Schutzgeister werden und abwenden vieles Unheil von euren Häuptern! (a Matthäus.06,15; Matthäus.18,35; Jakobus.02,13; jl.ev01.080,02; jl.ev05.249,08*)
03] Warum aber all das also ist und sein muß? Da sage Ich: Weil es also sein muß nach Meinem Willen und nach Meiner unwandelbaren Ordnung!«
04] Sagt Der Oberste: »Ja, Herr, ich erkenne nun nur zu klar Deine endloseste und durch nichts beschränkte Liebe und Weisheit und sage: So möglicherweise einmal alle Menschen von Deiner Lehre durchdrungen sein werden, da wird die Erde in ein vollstes Himmelreich umgewandelt sein! Aber - und das ist ein ungeheuer großes Aber! - wann wird das geschehen?!
05] Wenn ich nun bedenke die große Erde, da noch kein Forscher entdeckt hat, wo sie anfängt und wo sie aufhört, und bedenke die Unzahl von allerlei Menschen, die den ungemessenen weiten Erdkreis bewohnen, da fängt's an, mich ganz schwindelnd zu erfassen in allen meinen Lebenszweigen! Die ungebildetste und roheste Bosheit scheint bei den vielen Bewohnern der großen Erde der durchgängige Hauptzug ihres Lebenscharakters zu sein!
06] Von der tierischen Selbstsucht und von dem furienartigen Hochmute ist die allergrößte Überzahl der Menschen ganz durchsäuert!
07] Wo sich nur immer ein friedliebendes Völklein auf der weiten Erde ansiedelte und durch gemeinsames Zusammenwirken sich zu irgendeinem Wohlstande erhob, da ward es von der feinen Nase der Wolfs- und Tigermenschen bald aufgespürt und feindlich überfallen; die Armen wurden besiegt und dadurch tausendmal unglücklicher gemacht, als sie ehedem in ihrem Naturzustande es waren!
08] Wenn aber solche friedliche und gebildete Völklein dennoch durch Mut, Weisheitskraft und Energie ihres Geistes sich gegen die Feinde als Sieger behaupteten, die sie natürlich mit Waffen in der Hand zum größten Teile vernichten mußten, die Geister der getöteten Feinde aber dann erst ihre größten und schädlichsten Feinde werden, so frage ich nach meiner Meinung ganz unverhohlen: Wie, wann und unter welchen Umständen wird Deine heilsamste Lehre auf der Erde je volle Wurzeln schlagen und alle Menschen der Erde in ihrem Handel und Wandel bestimmen?
09] Würden nur einzelne Völkerschaften sich in den milden Strahlen Deiner unübertrefflichen Lehre glücklichst sonnen, so werden sie von Tag zu Tag von stets mehr und mehr Feinden umlagert werden; werden sie sich ganz gutwillig den Feinden ergeben, so werden sie dann nichts als Sklaven ihrer Eroberer werden und werden sich jeden noch so unmenschlichen Druck, ja endlich sogar das Verbot der Befolgung und Ausübung dieser Deiner Lehre, müssen gefallen lassen.
10] Würden sie aber durch was immer für ein Machtmittel Meister ihrer Feinde, so werden dann erst die Geister und Seelen der im Kampfe getöteten Feinde so recht in aller Fülle ihre allerunbesiegbarsten Feinde werden, und mit dem Himmelreiche auf Erden wird es da wohl nach meinem freilich unmaßgeblichen Dafürhalten seine guten Wege haben!
11] Ob man gerade - ich sage, auch selbst der besten Sache wegen - jedem Feinde für sein Böses Gutes erweisen solle, lasse ich daher noch sehr dahingestellt sein! Daß man dadurch wohl aus manchem blinden Feinde einen sehenden Freund sich machen werde, ziehe ich in gar keinen Zweifel; ob aber solch eine Regel auch auf große Massen von Feinden der guten Sache wird in eine segensvolle Anwendung gebracht werden können, das, Herr, vergib es meinem schwachen Verstande, möchte ich denn doch aus früher angeführten Gründen ein wenig bezweifeln!
12] Mir fällt da immer die unselige Szylla und Charybdis ein, wo, wenn man der ersten glücklich ausweicht, man dann desto sicherer von der zweiten verschlungen wird! - Herr, nur darüber noch ein kleines Lichtlein, und ich will alle meine Feinde brüderlich umarmen und alle die Gefangenen aus den Kerkern losgeben, - auch alle Diebe, Räuber und Mörder, wenn sie auch noch so böse sein sollten!«


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