Jakob Lorber: 'Die drei Tage des 12-jährigen Jesus im Tempel'

32. Kapitel: Das Eintreffen von Joseph und Maria im Tempel. Der Eltern Frage und des Sohnes Antwort. Die freundliche Unterhaltung des Römers und des Nikodemus mit den Eltern Jesu. Im Palaste des Römers. Die Rückkehr nach Nazareth.

Originaltext 1. Auflage 1861 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text u. Versnummerierung nach 8. Auflage 1975 Lorber-Verlag

01] In diesem Augenblicke traten eben Meine Eltern in diese besondere Redehalle, geführt von einem Tempeldiener, und erstaunten sich bei sich geheim über die Maßen, Mich in einer so hochweisen und hochherrlichen Gesellschaft anzutreffen.

02] Der Römer fragte sie sogleich, ob Ich ihr Sohn wäre?

03] Und die Eltern bejahten das mit sichtbar großer Freude. - Maria aber, weniger darum, um Mir einen Verweis zu geben, sondern viel mehr, um ihr Mutteransehen ein Bißchen vor den großen Weltherren geltend zu machen, - sagte, freilich nur mit der freundlichsten Stimme von der Welt: "Aber liebster Sohn! - Warum hast du uns denn das gethan!? - Nahe drei Tage suchten wir dich mit großer Angst!"


04] Sagte Ich! "Wie mochtet ihr das thun?! - Ich habe es euch daheim ja schon zum Voraus gesagt, daß Ich hier das thun werde müssen, was der Wille Meines Vaters im Himmel ist!?"

05] Darauf schwiegen Beide, und schrieben sich diese Worte tief in's Herz.

06] Hierauf aber sagte dann der Römer ihnen recht ausführlich, was Ich für ein Wesen bin, und was Ich geredet und gethan habe, und wie sich Alle über die hohe Weisheit und Macht Meiner Reden verwunderten, wie eben auch über die unbegreifliche Macht Meines Willens, und wie darum er als eine der ersten Machtautoritäten Roms in Jerusalem mich über alle die Maßen liebgewonnen hatte, und er sich erbiete, ihnen als Meinen Eltern jeden denkbaren Vortheil angedeihen zu lassen!

07] Wofür ihm besonders Joseph über alle die Maßen freundlichst dankte, und ihm sich nöthigen Falls als Zimmermann und Archidekt besonders anempfahl, und bald darauf von dem Römer auch große Bauten in und um Jerusalem bekam; sogar einen neuen Richterthron nach römischer Art bekam Joseph zu machen, und verdiente dabei recht viel Geldes.

08] Desgleichen versicherte auch der überreiche Simon von Bethanien noch im Tempel den Joseph seiner vollsten Freundschaft, worauf wir uns dann erhoben, und zum Fortgehen zusammen machten.

09] Hier erhoben sich auch die Templer, und machten dem Römer eine tiefe Verbeugung, und zogen dann bis auf den Nicodemus ab. Dieser aber gab uns allerfreundlichst das Geleite bis zum großen Palaste des Römers, der es sich durchaus nicht nehmen ließ, uns diese kommende Nacht bei ihm unter der auserlesensten Bewirthung zu beherbergen; - Ich mußte sein Weib und seine Kinder segnen, und er sagte darauf:

10] "Nun erst ist meinem ganzen Hause das größte Heil und die höchste Ehre widerfahren! - Denn der Herr aller Herren, und König und Kaiser aller Könige und Kaiser hat mein ganzes Haus heimgesucht und gesegnet!"


11] Daß darüber Meine Eltern höchst erbaut und ergriffen wurden, läßt sich leicht denken, und sie vergaßen dieses Momentes dann nicht wieder.

12] Darauf wurden wir in den Speisesaal geführt, wo eine vortreffliche Mahlzeit unser harrete, und ganz besonders Meinen müde und hungrig gewordenen Eltern sehr wohl zu statten kam.

13] Bei der lange anhaltenden Tafel mußte die Maria Alles über Meine Empfängniß und Geburt, und noch eine Menge Data's aus Meinem Kindesleben dem Römer erzählen, worüber er stets in einen Enthusiasmus von Verwunderung ausbrach, und dabei oft ausrief:

14] "Und das wissen diese Tempelhelden, und glauben doch nichts!?"

15] Nach der Mahlzeit aber begaben wir uns zur Ruhe, und am nächsten Tage verschaffte uns der Römer eine sehr bequeme Fahrgelegenheit bis nach Nazareth, und versah den Joseph mit einem reichlichen Reisegelde, und Simon geleitete uns bis nach Galiläa, wo er in einem Flecken ein Geschäft zu besorgen hatte, und so kamen wir denn ganz wohlbehalten wieder nach Nazareth, womit die Tempelscene ein Ende hatte.

16] Daß Ich darauf bis in Mein 30stes Jahr von Meiner Göttlichkeit wenig mehr merken ließ, ist bekannt, und somit ist diese einzig richtige und wahre Mittheilung über die drei Tage im Tempel zu Ende. Wohl dem, der sie glaubt, und sich daran nicht ärgert. - Wer sie gläubig im Herzen lesen wird, wird vielen Segen überkommen. Amen! das sage Ich der Herr, Amen, Amen, Amen.

01] In diesem Augenblick traten eben Meine Eltern in diese besondere Redehalle, geführt von einem Tempeldiener, und erstaunten bei sich geheim über die Maßen, a Mich in einer so hochweisen und hochherrlichen Gesellschaft anzutreffen. {a Lukas.02,46 }

02] Der Römer fragte sie sogleich, ob Ich ihr Sohn wäre.

03] Und die Eltern bejahten das mit sichtbar großer Freude. Maria aber - weniger darum, um Mir einen Verweis zu geben, sondern vielmehr, um ihr Mutteransehen ein bißchen vor den großen Weltherren geltend zu machen - sagte, freilich mit der freundlichsten Stimme von der Welt: "Aber, liebster Sohn, a warum hast Du uns denn das getan? Nahezu drei Tage suchen wir Dich mit großer Angst!" {a Lukas.02,48 }

04] Sagte Ich: a "Wie mochtet ihr das tun?! Ich habe es euch daheim ja schon zum voraus gesagt, daß Ich hier das tun werde müssen, was der Wille Meines Vaters im Himmel ist!" {a Lukas.02,49}

05] Darauf schwiegen beide und a schrieben sich diese Worte tief ins Herz. {a Lukas.02,51}

06] Hierauf aber sagte dann der Römer ihnen recht ausführlich, was Ich für ein Wesen sei, und was Ich geredet und getan habe, und wie sich alle über die hohe Weisheit und Macht Meiner Reden verwunderten, wie eben auch über die unbegreifliche Macht Meines Willens, und wie darum er als eine der ersten Machtautoritäten Roms in Jerusalem Mich über alle Maßen liebgewonnen habe und er sich erbiete, ihnen als Meinen Eltern jeden denkbaren Vorteil angedeihen zu lassen,

07] wofür ihm besonders Joseph über alle Maßen freundlichst dankte und ihm sich nötigenfalls als Zimmermann und Architekt besonders anempfahl und bald darauf von dem Römer auch große Bauten in und um Jerusalem (auszuführen) bekam. Sogar einen neuen Richterthron nach römischer Art bekam Joseph zu machen und verdiente dabei recht viel Geld.

08] Desgleichen versicherte auch der überreiche Simon von Bethanien noch im Tempel den Joseph seiner vollsten Freundschaft, worauf wir uns erhoben und zum Fortgehen bereitmachten.

09] Hier erhoben sich auch die Templer, machten dem Römer eine tiefe Verbeugung und zogen dann bis auf Nikodemus ab. Dieser aber gab uns allerfreundlichst das Geleite bis zum großen Palast des Römers, der es sich durchaus nicht nehmen ließ, uns die kommende Nacht bei sich bei der auserlesensten Bewirtung zu beherbergen. Ich mußte sein Weib und alle seine Kinder segnen, und er sagte darauf:

10] (Der römische Richter:) "Nun erst ist meinem ganzen Hause das größte Heil und die höchste Ehre widerfahren; denn der Herr aller Herren und König und Kaiser aller Könige und Kaiser hat mein ganzes Haus heimgesucht und gesegnet!"

11] Daß darüber Meine Eltern höchst erbaut und ergriffen waren, läßt sich leicht denken, und sie vergaßen dieses Momentes nicht wieder.

12] Darauf wurden wir in den Speisesaal geführt, wo eine vortreffliche Mahlzeit unser harrte, die ganz besonders Meinen müden und hungrig gewordenen Eltern sehr wohl zustatten kam.

13] Bei der lange anhaltenden Tafel mußte die Maria alles über Meine Empfängnis und Geburt und noch eine Menge Daten aus Meinem Kindesleben dem Römer erzählen, worüber er stets in einen Enthusiasmus von Verwunderung ausbrach und dabei oft ausrief:

14] "Und das wissen diese Tempelhelden - und glauben doch nichts!?"

15] Nach der Mahlzeit aber begaben wir uns zur Ruhe und am nächsten Tage verschaffte uns der Römer eine sehr bequeme Fahrgelegenheit bis nach Nazareth und versah den Joseph mit einem reichlichen Reisegeld, und Simon geleitete uns bis nach Galiläa, wo er in einem Flecken ein Geschäft zu besorgen hatte. Und so kamen wir ganz wohlbehalten a wieder nach Nazareth, womit die Tempelszene ein Ende hat. - {a Lukas.02,51 }

16] Daß Ich darauf bis in Mein dreißigstes Jahr von Meiner Göttlichkeit wenig mehr merken ließ, ist bekannt, und somit ist diese einzig richtige und wahre Mitteilung über die drei Tage im Tempel zu Ende. Wohl dem, der sie glaubt und sich daran nicht ärgert! Wer sie gläubig im Herzen lesen wird, wird vielen Segen überkommen! Amen. Das sage Ich, der Herr. Amen, Amen, Amen.



Jakob Lorbers Schlußwort vom 13. Januar 1860

O Herr, vor allem danke ich armer Sünder Dir für diese herrliche und bis jetzt noch nie dagewesene allerhöchste Gnadenmitteilung, deren ich vor allem und dann auch die ganze Welt unwürdig ist! Da Du, o Herr, aber schon uns dadurch eine so übergroße und unverdiente Gnade erwiesen hast, o so segne uns auch damit, daß wir voll des wahren Glaubens Dich aus vollem Herzen lieben! Verzeihe damit unsere mannigfachen Schwächen, mache uns stark in aller Liebe zu Dir und unsern armen Brüdern, und laß uns in Deinem allerheiligsten Namen allzeit erquicken die Herzen der betrübten und notleidenden Brüder! - Und, o Herr, gedenke auch in Deiner großen Liebe Deines armen Knechtes auf Erden fortan und habe meinen innigsten Dank für alle Deine von mir nie verdienten Wohltaten, die Du mir allzeit gnädigst hast angedeihen lassen! O laß aber auch meinen Segen an die vielen Armen und Bedürftigen und Bedrängten und an alle Deine wahren Freunde und meine Wohltäter in Deinem allerheiligsten Namen mit Deinem Segen vereint wirksam sein! - Dir allein alle Ehre und alle unsere Liebe ewig, und Dein allein heiliger Wille geschehe! In tiefster Zerknirschung Deiner Gnade allerunwürdigster Knecht.

ANMERKUNG: Was den damaligen Landpfleger Kornelius betrifft, so war er facto (tatsächlich) geheim dennoch in Jerusalem, wennschon angeblich Geschäfte halber in Tyrus. Denn die hohen Römer waren kluge Leute und versuchten oft die untergeordneten Beamten. Dadurch, daß sie angeblich verreisten und unterdessen ihr Amt einem andern zum Verwalten einräumten. Und das war denn auch bei der Gelegenheit der Knabenprüfung in Jerusalem der Fall. Der römische Prüfungskommissar wußte nichts von der stillen Anwesenheit des Kornelius; aber Joseph wußte durch eine innere Eingebung wohl darum und hatte sich daher im stillen zu ihm gefügt und bekam von ihm auch, um was er ansuchte. Und so geschah es denn auch, daß Kornelius in guter Verkleidung selbst die Verhandlungen im Tempel mit anhörte, während ihn der Kommissar in Tyrus wähnte und daher offen seiner nur als eines Abwesenden erwähnen konnte. Jakob Lorber.

Ende des Bandes

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