Sinn und Zweck eines gegenseitigen Fehlerbekenntnisses (Beichte)

Jesu Christi Mitteilungen durch Prophet Jakob Lorber (1800-64)


Kurzfassung der Aussagen in Lorbers Werken

Der Apostel Jakobus empfahl: 'Bekennt einander eure Sünden.' Was sich daraus in der kath. Kirche entwickelte, ist eine Fehlauslegung des Sinnes dieser Aufforderung Jesu. (Jak.05,16) (jl.gso1.085,01)

1) Jakobus empfahl, sich gegenseitig die Fehler nicht zu verheimlichen, sondern sie zuzugeben, um nicht besser zu erscheinen, als man ist. Er meinte damit, sich gegenseitig vertraulich die eigenen Gebrechen und Schwächen mitzuteilen, um dafür von dem stärkeren Freunde und Bruder ein stärkendes Gegenmittel im Geiste und in der Wahrheit zu bekommen. (jl.gso1.085,01)

2) Das Bekennen von Fehlern in einer Gemeinschaft soll dazu dienen, damit man sich gegenseitig besser versteht und seelisch und körperlich helfen kann und will. (jl.ev08.043,05a)

3) Das gegenseitige Eingeständnis von Schwächen soll u.a. dazu dienen, einen guten Rat zu bekommen, wie man seelisch erstarken und gesund werden kann. Es ist in heutiger Sprachweise religiös-psychologisch fundierte Seelsorge bzw. Psychotherapie. (jl.ev08.043,03)

4) Wer in einer Gemeinschaft verschlossen sein und bleiben will, weil er vermeiden will, durch sein Bekenntnis jemanden zu ärgern, von dem soll niemand das Bekenntnis seiner Schwächen verlangen! Jeder Zwang zu einem Sündenbekenntnis soll unterbleiben! (jl.ev08.043,05b; b jl.ev08.043,07)

5) Wer durch Geistesgaben die verborgenen Schwächen des anderen erkennt, soll ihm unter vier Augen Rat und Tat zukommen lassen. (jl.ev08.043,06)

6) Jesus verlangte keine Beichte vor einem Priester. Um sich gegenseitig zu beraten und zu stützen, braucht es auch keine priesterlichen oder gar exorzistischen Weihen, wohl aber Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Weisheit. (jl.erde.071,24 f.)


Originaltexte: Sinn und Zweck eines gegenseitigen Fehlerbekenntnisses (Beichte)

zu 1) Jakobus empfahl keinesfalls eine Ohrenbeichte vor einem Priester: a »Was den Jakobus betrifft, so sagt er mitnichten, daß die Gemeinde ihre allfälligen Sünden einem Ältesten der Gemeinde 'beichten' soll, sondern er will dadurch nur das sagen, daß kein Bruder in der Gemeinde vor dem andern etwas geheim haben soll und von der ganzen Gemeinde nicht wollen für besser gehalten werden, als er im Grunde wirklich ist. Und das ist der Grund, warum der Jakobus anempfiehlt, aber durchaus nicht bestimmt gebietet, daß man sich gegenseitig die Sünden oder Fehler bekennen.« (a jl.gso1.085,01)

zu 2) Das Bekennen von Fehlern in einer Gemeinschaft soll seelsorgerischen Zwecken dienen: a »Es ist gut, daß in einer Gemeinde ein jeder Bruder den andern kennt, sowohl in seinen starken wie schwachen Seiten, damit einer den andern der vollen Wahrheit nach seelisch und auch leiblich unterstützen kann und mag.« (a jl.ev08.043,05a)

zu 3) Jesus weist darauf hin, daß ein Sündenbekenntnis vor einem anderen eine Art religiös-psychotherapeutische Seelsorge sein soll: a »Ich bin nicht dagegen, so ein schwacher und seelenkranker Mensch im guten Willen einem stärkeren und seelengesunden Menschen seine Schwächen und Gebrechen treu bekennt, weil dann der gesunde und lichtstarke Mensch ihm aus wahrer Nächstenliebe leicht jene wahren Mittel an die Hand geben kann, durch die des schwachen Nächsten Seele erstarken und gesund werden kann. Denn auf diese Weise wird dann ein Mensch dem andern ein rechter Seelenheiland. Aber Ich mache daraus auch kein Gesetz, sondern gebe euch damit auch nur einen guten Rat; und was Ich tue, das tuet auch ihr, und lehrt jedermann die Wahrheit!« (a jl.ev08.043,03)

zu 4) Zwang zum Fehlerbekenntnis vor einer Gemeinschaft soll vermieden werden: a »Wer aber verschlossen sein und bleiben will in der Meinung, daß er durch sein Bekenntnis jemanden ärgern könnte, dem soll niemand seine Schwächen herausfordern!... b Laßt jedem den freien Willen, und tut niemandem einen Zwang an; denn ihr wisst es nun, daß ein jeder moralische Zwang völlig wider Meine ewige Ordnung ist!« (a jl.ev08.043,05b; b jl.ev08.043,07)

zu 5) Denen, die durch Geistesgaben die verborgenen Schwächen des anderen erkennen, empfiehlt Jesus: a »Wenn jemand von euch ein Weiser ist, und sein Geist offenbart ihm die Schwächen des schwachen und ängstlichen Bruders, so gebe ihm der Weise unter vier Augen einen guten Rat und helfe ihm mit Rat und Tat aus der geheimen Not, und sein Lohn wird nicht unterm Wege irgendwo steckenbleiben!« (a jl.ev08.043,06)

zu 6) Jakobus wollte keine Beichte im kath. Sinne: a »Wenn aber Jakobus aus Meinem Geiste ein Sich-gegenseitiges-Sündenbekennen anempfiehlt, so ist darunter noch lange keine Beichte zu verstehen, sondern nur eine gegenseitige vertrauliche Mitteilung eigener Gebrechen und Schwächen, um dafür von dem stärkeren Freunde und Bruder ein recht stärkendes Gegenmittel im Geiste und in der Wahrheit zu bekommen. Sehet, dazu braucht jemand weder priesterliche noch exorzistische Weihen, und das Apostelamt selbst ist nur ein brüderliches Lehramt, aber kein hebräischer und heidnischer Gold-, Silber- und Edelgesteinpomp. (a jl.erde.071,24)
Daß die Lehrer der Gemeinde sich im höchsten und reichsten Pompe zeigen sollten, hat Jakobus sicher nicht gemeint, da er den Gemeinden ein gegenseitiges Gebrechen- und Schwächenbekenntnis anriet; er wollte damit nebst dem ärztlichen Zwecke auch den der gegenseitigen Demütigung erreicht haben, daß sich nicht ein Bruder vor dem anderen wie der Pharisäer im Tempel hervortun, sondern dem demütigen Zöllner gleich sein sollte. Da ist also von keiner Beichte, wie schon oben bemerkt, die Rede.« (jl.erde.071,25 f.)


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