G. Mayerhofer (08.11.1871)

Wie erreicht man geistigen Magnetismus?

'Weg zur Wiedergeburt'

aus 'Heil-, Diät- und Lebenslehr-Winke', Sammlung neu-theosophischer Schriften, Nr. 48, S.028-031, 1895, Neu-Theosophischer Verlag (J. Busch Nachf.), Bietigheim


Inhaltsübersicht:


(An Bruder N-t, Magnetiseur in Dresden)

    GM.NT48.028,01] Mein lieber Sohn! Vor kurzem ließ Ich durch Meinen Schreiber die Wege und Bedingungen kundgeben, unter welchen du dein vermeintliches Ziel erreichen könntest, und in wie ferne dein Verhalten mit Meiner Lehre, so wie Ich selbe verstanden und ausgeübt sehen möchte, sich vereinigen läßt. Es scheint aber, daß du Meine letzten Worte nicht im rechten Sinne aufgefaßt hast, und so will Ich dir deine bezweifelten Punkte aufklären.

Entgelt für göttlich-geistiges Heilen?

    GM.NT48.028,02] Dein erster Punkt ist: 'Wie sollst du dein bisheriges Verfahren mit Meinem Rat vereinigen, wo Ich dir anrate, du sollst Meine göttliche Gabe des Segens deiner magnetisierenden Hand dir nicht bezahlen lassen.
    GM.NT48.028,03] Sieh, hier muß Ich dir diesen Meinen Rat näher erklären, damit du siehst, wie du dein Brot verdienen kannst, ohne Meiner Ansicht zuwider zu handeln.
    GM.NT48.028,04] Wo Mein Segen wirken soll und nicht dein magnetisches Fluidum, da muß doch stets das nämliche Prinzip festgehalten werden, welches Ich in Meiner ganzen Schöpfung festhalte, sonst könnte Ich kein konsequenter Gott sein, sondern Ich müßte wie Meine Geschöpfe öfter mit zweierlei Maßen und Gewichten abmessen und abwägen; denn sieht, Ich lasse die Sonne über Gute und Böse scheinen ohne Unterschied! Dieses Gestirn als einziger Träger alles vegetativen Lebens spendet für alle gleich seine Wohltaten und fragt nicht, wer es verdient und wer nicht. So - willst du Mir gleichen - mußt auch du mit deiner Lebenskraft verfahren, wenn selbe Mein Segen begleiten soll.
    GM.NT48.028,05] Was Ich dir von der Sonne sagte, will eigentlich sagen: Du sollst über Arme und Reiche deine Hände mit gleicher Ergebung in Meinen Willen ausstrecken, du sollst deine magnetische Wirkung nicht taxieren, sondern nur annehmen, was die Begüterten dir dafür reichen werden, und den Armen nicht das entziehen, was sie nur zur Not, zum Leben besitzen!
    GM.NT48.028,06] Sieh Mein Sohn, so entsprichst du meinem Willen, du hilfst den Menschen uninteressiert (d.h. ohne Eigennutzen, d. Hrsg.), und die Menschen, denen du schneller und leichter die Gesundheit wiederherstellst, als es bisher gelungen, werden dich auch dafür belohnen, so daß du damit zufrieden sein kannst; denn dein erster Grad der Zufriedenheit soll sein: nach Meinem und mit Meinem Willen geheilt zu haben, und dies als Hauptsache ansehend, sollst du die Vergütungen in Geld der geheilten Mitbrüder und -schwestern als Nebensache annehmen; denn aufrichtig gesprochen, läßt sich denn die wiedererlangte Gesundheit taxieren oder abschätzen, wie ein anderes materielles Ding oder Kunstprodukt?! Wo ist da ein 'zuviel', und wo ein 'zu wenig'? Fasse du so meinen Rat in Meinem letzten Worte auf, und du wirst nicht zu kurz kommen, ja vielleicht noch besser fahren, als es dir bis jetzt ergangen ist.

Wie ist ein höherer, transformierter Zustand zu erreichen?

    GM.NT48.028,07] Auf den zweiten Punkt nämlich: einen höheren geistigen Standpunkt zu erreichen, worüber du Mich fragst: 'wie selbiger zu erreichen sei?' da muß ich dir einfach sagen:
    GM.NT48.029,01] "Derjenige erreicht einen stets höheren geistigen Standpunkt, der Meine Gebote erfüllt!" Nicht nur weil Ich sie ihm gegeben habe, sondern weil er innerlichst überzeugt sein muß, daß nur durch Haltung solcher Liebesgebote ein Annähern an Meine göttliche Person, und ein höher und höher Steigen im geistigen und moralischen Wert möglich sein kann.
    GM.NT48.029,02] Meine Gebote sind nur zwei, die heißen: 'Liebe Mich über alles und deinen Nächsten wie dich selbst!' Diese Gebote müssen aber - wohlgemerkt - im strengsten Sinne genommen werden, soll der Mensch seinen geistigen, moralischen Zustand verbessern und erhöhen können. Man muß sich nicht das Befolgen so bequem einrichten, damit alles Übrige im menschlichen Leben so gemütlich daneben auch getrieben werden kann.

Warum Seele und Geist die Herrschaft über den Körper erlangen sollen

    GM.NT48.029,03] Sieh, Mein liebes Kind, der Mensch besteht aus Seele und Leib. Ein jeder dieser Bestandteile hat seine eigenen Bedürfnisse, seine Begehren.
    GM.NT48.029,04] Der Körper ist von Mir so eingerichtet, daß er im Allgemeinen gerade das Gegenteil von dem will, was die Seele begehrt, und warum? Eben weil dadurch die Seele stets in Anregung bleibt (will sie ihre eigene Würde nicht einbüßen), gegen die Forderungen des Körpers anzukämpfen, selben sich dienstbar zu machen und nicht Sklave desselben zu werden. Soll also die Seele moralisch höhere Stufen erreichen, so muß sie die Forderungen des Körpers nur so beurteilen, daß keiner derselben größerer Wert beigemessen wird, als sie eben verdienen.
    GM.NT48.029,05] Alle geistigen Gesetze seit Bestehen der Welt gingen stets darauf aus, die Seele vor der Knechtschaft des Körpers zu retten! So waren die mosaischen 'zehn Gebote', so Meine eigene Liebelehre während Meines Erdenwandels, so Meine jetzt wieder kungegebenen Worte durch Mir ergebenen Schreiber und Knechte, weil Ich die Menschen zu etwas Besserem erschuf, als die meisten heutzutage sind.
    GM.NT48.029,06] Nun siehe, 'liebe Gott über alles' will also sagen: 'Trachtet mit allen Kräften danach, diesem hohen Wesen in Befolgung Seiner Liebesgebote zu entsprechen!"
    GM.NT48.029,07] Schon im Erdenleben, wenn du einen Menschen liebgewonnen hast, seine ganze Achtung und Liebe verdienen willst, tust du nicht das Möglichste, um diesen Zweck zu erreichen, vermeidest du nicht alles, was ihm mißfallen könnte und warum, weil du in seiner Achtung stets steigen, seiner Liebe stets mehr wert sein möchtest?
    GM.NT48.029,08] Wenden wir dieses Beispiel auf Mein erstes Liebesgesetz an, so geht ja klar hervor, daß ihr Menschen, welche Ich aus Liebe erschuf, einen Funken Meines göttlichen Ichs besitze, welchen Ich euch einimpfte, daß ihr ebenfalls alles tun sollet, um Meine Liebe zu gewinnen; wobei aber am Ende der eingentliche Gewinn euch selbst bleibt, indem ein Mensch, je mehr er sich Meinem Liebesgesetze nähert (s. das Wort über die Bedeutung der Zahl 666 in Nr. 39, Lebenswinke, und in Nr. 21 von der Wiederkunft Christi.), sich selbst vergeistigt, mehr seines geistigen Ursprungs sich bewußt wird, höhere Kräfte in sich entfalten sieht, zumal je mehr er der Welt und seiner eigenen schlechten Eigenschaften und Begierden Meister geworden ist.
    GM.NT48.029,09] Mich also über alles lieben ist nicht so leicht, als man glaubt, denn es kämpft die Eigenliebe, es kämpft die Welt mit all ihren Annehmlichkeiten dagegen. -

    GM.NT48.030,01] Und um diesen höheren geistigen Standpunkt zu erreichen, wo die Seele ihre Willenskraft dem Körper und aller gebundenen Materie Gesetze vorschreiben kann, muß man vorerst selbst darüber Sieger sein.
    GM.NT48.030,02] Und während - bekämpft und überwunden - die Welt und der eigene Körper zu den Füßen des Menschen liegt, erhebt sich die Seele im geistigen Fluge in jene Höhen, von wo sie einst gekommen und wohin sie wieder gehen wird nach gänzlicher Ablegung ihres Körpers, und sieht dort im Glanze des Wahrheitslichtes die Dinge mit geistigem Auge, und gebietet mit starker Willenskraft da, wo sie früher nur ein öich möchteö, jetzt aber ein öich will!' aussprechen kann! Dieses ist der geistige höhere Standpunkt, wohin Gottesliebe dich führen kann, wenn du sie so ausübst, wie Ich es dir jetzt in kurzen Umrissen gezeigt habe!
    GM.NT48.030,03] Da aber der Mensch nicht allein auf dieser Erde lebt, sondern in Gemeinschaft mit andern Menschen, so muß er auch dieses Liebegebot an seinem Nächsten tätig ausüben und zeigen; denn wie auch Ich alle Meine geschaffenen Wesen mit gleicher Liebe erhalte und umfasse, so muß auch der Mensch, will er sich Mir nähern, auch in dieser Beziehung sein Möglichstes tun, an anderen zu beweisen, was in ihm selbst nur sein eigen Ich ausrufen sollte: 'Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!'
    GM.NT48.030,04] Dieses heißt also: Opfere zum Wohle deines Mitbruders oder deiner Mitschwester nicht blos was du so entbehren kannst, sondern, wenn es gilt, opfere deine eigenen Interessen, deine eigenen Vorteile, um andern einen Liebesdienst zu erweisen!
    GM.NT48.030,05] Sei erhaben über alle menschlichen Schwächen, die du an andern siehst, vergesse, verzeihe und vergüte, was so manches verirrte Kind deines Schöpfers dir antut! - Siehe, so will Ich die Nächstenliebe verstanden haben, so erhöht sie den moralischen Wert des Menschen, gibt ihm ein Bewußtsein von Tat-, von Aufopferungskraft, welches alles überragt, was die Welt und ihre Glücksgüter ihm bieten.
    GM.NT48.030,06] Diesen Standpunkt zu erreichen, erhaben über alles eitle Getriebe der Welt zu sein (ohne sich aus derselben zu verbannen), stets seinen Gott im Auge zu haben, alles was man tut, nur auf ihn zurückzuführen, die Unbilden anderer in den Sand zu schreiben und ausrufen zu können mit unbegrenzter Liebe in der von Wonne geschwellten Brust: 'Herr, verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!' dieses ist der erhöhte Standpunkt, den du erstreben sollst, von wo aus dann die Stufen beginnen des Wiedergeborenwerdens; dann, dann hast du die Materie besiegt, sie dir untertänig gemacht, und kannst dann mit Wort, Blick und Hand Taten verrichten, wie einst Ich, während Meines Erdenwandels, und wie Ich auch diese Kraft Meinen Aposteln zurückgelassen habe. -
    GM.NT48.030,07] Das, was du in Swedenborg's Aufzeichnungen gelesen hast, beginnt dann, wenn du eine solche hohe, geistige Stufe erreicht hast; die jetzigen Scheinbilder sind nur das, was Ich dir schon erklärt habe, denn wenn du dieses hier gelesen haben wirst, hoffe Ich, daß du erkennen mögest: zum Wiedergeboren hat es bei dir noch 'seine geweisten Wege'! Denn wisse, je mehr du in der Erkenntnis deiner selbst fortschreitest, je mehr du Meine Lehre, Meine Schöpfung, Meine materielle und Geisterwelt erkennen wirst, desto mehr werden sich die Schwierigkeiten des Vorwärtsgehens in die auftürmen.
    GM.NT48.031,01] Folgst du Meinen Lehren, so trittst du ein in den Rang Meiner Kinder und 'ein Kind des Schöpfers der Unendlichkeit Gottes' genannt zu werden, erreicht man nicht so ganz bequem, wie man im gewöhnlichen Leben wähnt.
    GM.NT48.031,02] Keine Siegerkrone wird ohne Kampf gewonnen, und willst du einst Sieger über die feste Materie werden, willst du Geistern Gesetze vorschreiben, sie aus fremden Leibern austreiben lernen, so muß dein eigener Geit selbst erst frei, unabhängig in der Schöpfung dastehen.
    GM.NT48.031,03] Du mußt den alten, weltlichen Adam ausgezogen und den neuen geistigen angetan haben. Der alte Mensch als Weltprodukt muß gestorben, und der neue geistige wieder ausgeboren sein, oder du mußt 'ein Wiedergeborener' sein, so wie Ich einst sagte:
    GM.NT48.031,04] "Wenn ihr nicht wiedergeboren werdet im Geist und in der Wahrheit, werdet ihr nicht in Mein Himmelreich eingehen."
    GM.NT48.031,05] Verstehst du jetzt, was 'wiedergeboren' heißt? Gut, so folge Meinem Beispiel nach, wie Ich es als Jesus gab auf Erden; dort habt ihr alle ein Vorbild eines höchst moralischen Menschen, dort gab Ich euch den Beweis, was der Mensch geistig sein sollte, und wenn er es ist, was er mit seinem Willen vermag. (s. auch Nr.33, d.H.)
    GM.NT48.031,06] Nicht umsonst stellte Ich euch dieses Bild der Demut, der Verleugnung, der Aufopferung auf. Ich tat es nicht für Mich, damit ihr einst Meine Leidensgeschichte und Meinen Lebenswandel auf Erden lesen und vielleicht bei so recht tragischen Stellen einige Tränen des Mitleids darüber vergießen sollet, nein! Ich stellte euch dieses Beispiel auf als bleibendes ewiges, damit ihr stets daran gemahnt werdet, zu was der Mensch geschaffen wurde, daß ihr ein Beispiel habt, wie weit die menschliche Seele ihre Kraftäußerung ausdehnen kann, wenn sie mit Meinem Geiste verbunden, den Elementen und der starren Materie gebieten, sowie durch Auflegung der Hände und Aufheben des Blickes zum Vater alles Geschaffenen langwierige Krankheiten auf einmal heilen will.
    GM.NT48.031,07] Ich wollte euch durch Meinen Lebenswandel den Gegensatz hinstellen zwischen einem gewöhnlichen Erdenmenschen, und einem geistigen aus Gotteshand hervorgegangenen Neu-Wiedergeborenen.
    GM.NT48.031,08] Dort hast du das Vorbild, diesem strebe nach. Hast du es erreicht, so wirst auch du Taten ausüben können, wie einst dein Gott als Jesus, und wie es Seine Nachfolger, die Apostel, getan haben.
    GM.NT48.031,09] Rein mußt du vorerst selbst dastehen, damit Mein Segen in deinem rein geistigen Willen die Macht erhält, nach der du dich jetzt schon lange sehnest. Amen (s. auch Nr. 12b 'Arkana'.)


Home |  G. Mayerhofer |  Zurück zur Themaübersicht Heil-, Diät- u. Lebenslehrwinke